Ist eine Linse für unter 100 € gut?

Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Aber die Jüngste Preisentwicklung auch beim Micro-Four-Thirds System geht ja auch in die Regionen, die allgemein mit Vierstellig bezeichnet werden. Panasonic schoss kurz vor Weihnachten den Vogel ab mit der neuen G9 und einer 200er Brennweite zum Preis eines guten gebrauchten Kleinwagens mit zwei Jahren TÜV. Soweit ich mich erinnere, gab es dieses Jahr nur die OMD EM 10 MKIII und die Lumix GF800 an Neuerscheinungen die nicht im vierstelligen Bereich gelandet sind. Bei den Objektiven sieht es ähnlich aus. Die Pro Linie von Olympus mögen bestimmt eine gute Qualität abliefern, aber vom Preis her ist das nichts mehr für Normalfotografierer wie ich einer bin.

Da kam mir ein manuelles Objektiv von Meike gerade recht, von der Brennweite mit 35 mm nicht zu üppig dimensioniert, dazu eine akzeptable Lichtstärke von f1.7 und der Preis eben unschlagbar für knappe 90 Euronen. Mehrfach vergütete Linsen waren auch dabei und der Versand ging schnell, Freitag Mittag geordert, Samstag morgen an der Wohnungstür abgegeben und die Vorhersage versprach zumindest keinen Regen, also allemal gute Bedingungen, das kleine Objektiv genauer unter die Lupe zu nehmen und es am Samstag und Sonntag ausgiebig zu testen. Außerdem ist Bewegung und frische Luft immer gut und nach den Feiertagen zum Ende des vergangen Jahres auch nicht verkehrt, die Kamera und mich wieder endlich wieder kräftig durchzulüften.

Was ich hier wiedergebe sind rein subjektive Eindrücke, so wie ich das Objektiv erlebe und eben die Fotos, die ich damit mache. Es geht mir bei der Betrachtung auch nicht um irgendwelche Werte, die Redaktionen mit entsprechenden Laboren bestimmt besser testen können als ich. Mir geht es um meine Eindrücke, die ich mit dieser Linse gemacht habe, wie ich die Bedienung finde, wie die Farben, die Einstellungen und welchen Look die Bilder haben, wenn sie dann fertig sind. Dazu sollte ich noch anmerken, das ich wieder etwas von der RAW-Bearbeitung abrücke und immer mehr auf OOC (out of cam) zurückgehe, was aber nicht heißen soll, dass ich keine RAW‘s mehr speichere. Es werden immer noch zwei Aufnahmen auf der Karte abgelegt und bei mir gespeichert, aber RAW bleibt dann nur für den Notfall, wenn ein JPG so daneben gegangen ist, dass das Motiv nur durch RAW gerettet werden kann. Ansonsten werden es wieder vermehrt JPG‘s sein die ich zum Einsatz bringe.

Zum Objektiv:

Als ich die Umverpackung öffnete, blieb mir fast das Herz stehen, der eigentliche Verpackungskarton hatte an einer Ecke ein große Delle, die Schlimmes und ein tagelanges Umtauschmanöver befürchten ließen. Da es sich aber um ein recht kompaktes Objektiv handelt, lag es in der Mitte des Kartons und war so gut geschützt. Oben und unten waren noch Pappe, die das Objekt der Begierde so gut vor äußeren Einflüssen abgeschirmt haben. Ausgeliefert wurde die Linse mit einem kleinen Aufbewahrungssäckchen, einem Tuch, Frontdeckel aus Metall der ohne diese zusammendrückbaren Plastikdinger auskommt, was doch recht angenehm für Leute mit größeren Fingern, wie ich einer bin, ist. Der Rückendeckel war natürlich auch dabei. Das Objektiv ist aus Metall. Beide Einstellringe (Blende und Schärfe) laufen superweich ohne große Hindernisse und sind gut zu bedienen. Lediglich die Entfernungscala stimmt mit den aufgedruckten Angaben nicht überein, aber das juckt mich eh nicht, da ich mit Peacking scharfstelle und was die Skala anzeigt ist mir somit egal. Allerdings sollte die unendliche Entfernung nie bis zum Anschlag gedreht werden, denn dann wird das Bild wieder unscharf. Bei genauen hinsehen ist das Symbol auf der Skala auch etwas vorher zu Ende. Die Blenden lassen sich stufenlos einstellen, was auch für Videofilmer interessant ist. Insgesamt macht es mir großen Spaß mit dem Objektiv zu fotografieren, den die Haptik ist echt klasse und fühlt sich sehr gut  und wertig an. Was mich ebenfalls begeistert sind die Ausmaße, klein und kompakt, so das es gut zu den kleinen Cams der Mirco-Four-Thirds System passt, zumal ich ja ein Gegner immer größer werdenden Objektive bin, ich werde mir nie etwas zulegen, wo die Kamera hinten dran hängt.

Da es ja immer Jemanden gibt der Wert auf ein paar Daten legt:

Daten:

Gewicht 180 g
Länge 41 mm
Durchmesser 60,8 mm
größte Blende f1.7
kleinste Blende f 22
Filter 49 mm
Brennweite 35mm
Enwickelt für APS-C Kameras
Aufbau 5 Gruppen, 6 Scheiben, multicoatet
Preis 89,90 €

So, das sollte reichen, zurück zum Gebrauch des Objektivs. Einen Autofokus gibt es nicht, darüber sollte sich jeder im Klaren sein, auch die Objektivdaten werden nicht in die EXIF-Dateien geschrieben und müssen manuell nachgetragen werden. Aber das fotografieren im manuellen Modus entschleunigt, es macht, zumindest mir, sehr viel Spaß, auch wenn ich in der Anfangszeit immer mal wieder mit der einen oder anderen Einstellung gehadert habe. Es ist alles eben ein Übungssache und etwas Zeit sollte man einer neuen Beziehung ja schon geben, bevor alles so eingespielt ist das es auf Anhieb funktioniert.

Fazit:

Insgesamt ein guter Kauf, wie ich finde, der aufgerufene Preis ist kein Hexenwerk, der einen gleich in den Ruin stürzt, notfalls gibt es ja noch die 14 tägige Rückgabefrist, zumindest bei Onlinebestellungen. Das Objektiv ist durch den Metallkorpus wertig, die Einstellungen klappen problemlos und nach kurzer Zeit hat man sich an die manuellen Einstellungen gewöhnt. Als kleiner Tipp für MFT- User: an der Kamera im Menü den Punkt “Auslösen ohne Objektiv“ einstellen.

Bilder mit 98% Größe als JPG

2 Gedanken zu „Ist eine Linse für unter 100 € gut?

  1. Naja, wenn ich mal Sony so betrachte, dann schwant mir nichts Gutes und es wird eindeutig in die gehobenen Preisegmente gehen. Es wird wahrscheinlich auch so sein das der Markt für günstige und kleine Linsen fast ausgeschöpft ist.

    Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass die beiden Hersteller Olympus und Panasonic jetzt die Marktführer Canon und Nikon im Bereich Vollformat attackieren werden. Die GH5 macht es schon im Bereich der Videofilmer sehr erfolgreich (etliche Agenturen haben bereits umgestellt) und die G9 punktet eindeutig durch Schnelligkeit mit Qualität. Es bleibt spannend, zumindest die Entwicklung im MFT Bereich. Es ist anzunehmen das Features der G9 in den kleineren Modellen wiederzufinden sind. In diesem Jahr sollte es ja noch den Nachfolger der sehr guten GX80 geben und im kommenden Jahr dann einen Nachfolger für die G81.

  2. Das Objektiv macht doch einen wirklich guten Eindruck. Für den Preis kann man da nicht viel falsch machen. Der fehlende AF ist sicher ein Thema, allerdings kann über die Lupe oder Fokus Peaking ganz gut manuell gearbeitet werden. Allerdings muss man es mögen und es ist selbstverständlich langsamer, aber führt dadurch zum bewussteren fotografieren, wie Du ja schon geschrieben hast. Ich persönlich denke man sollte zumindest ein Objektiv haben, das nur einen manuellen Fokus bietet. Man lernt wieder etwas und wird aus seiner „Komfortzone“ geworfen. Das kann nur gut sein!

    Übrigens teile ich Deine Auffassung, was die Preisentwicklung in der Fotoszene angeht. Dabei ist mFT noch bezahlbar, wirf mal einen Blick rüber zu Kleinbild. Das neue 24-70 von Nikon liegt bei 3.200€ , das alte war schon mit 2.400€ richtig teuer und das ist das Brot- und Butter Objetiv für jeden engagierten Fotografen. Da ist mFT, egal ob Olympus oder Panasonic, noch echt bezahlbar. Ich bin gespannt, wo die Entwicklung da noch hingeht.

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